| Weg aus Mainz – und wohin führte der Weg? (Andrey Voronin) |
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| Geschrieben von Michael | |
| 16.04.2010 | |
![]() Andrey Voronin (Fotograf Yuriy Usatyuk) Mittlerweile ist die Zahl der aktiven Ex-05er bei anderen, ebenfalls im Rampenlicht stehenden Vereinen, stark gewachsen. Ob Auer, Thurk, Da Silva, Zidan, Feulner, Andreasen, Friedrich, Voronin oder Demirtas – jeder spielt noch immer eine Rolle im Zirkus Fußball-Bundesliga (respektive zweite Liga oder im Ausland). Im Rahmen einer länger angelegten Serie wollen wir an große "Ex-05er" der neueren Zeit erinnern. Teil 1 startet mit Andrey Voronin. Auf ewig unvergessen: Andrey Voronin Es begann alles mit einem verlorenen Sprint. Es war ein Zweitliga-Spiel gegen den FC Saarbrücken, am 14. Oktober 2000 (8. Spieltag), als der eingewechselte Voronin nach einem Konter mit gefühlten 20 Metern Vorsprung allein aufs Tor zusteuerte, vor dem Abschluss allerdings noch von einem gegnerischen Verteidiger abgelaufen wurde. Damals tobte der Mob, man mußte sich ernsthaft fragen, welcher Vogel Christian Heidel ins Hirn geschissen hatte, als er diesen Stümper aus Gladbach verpflichtete. Doch die Kritiker verstummten, es dauerte zwar eine ganze Weile, aber sie verstummten. Schon am 13. Spieltag – vier Wochen nach dem Saarbrücken-Desaster – geschah Historisches: Andrey erzielte sein erstes Tor für die 05er – und was für ein wichtiges. 87. Spielminute, beim Stand von 0:1 im Heimspiel gegen Aachen, draußen sitzt (mal wieder) Manni Lorenz als Interimscoach auf der Bank, im Tor steht Sven Hoffmeister, im Stadion befinden sich immerhin fast 5000 Augenzeugen, trifft „Vroni“ erstmals. In der Abwehr spielt ein gewisser Manuel Friedrich neben dem rechten Verteidiger Jürgen Klopp, während im Sturm ein echter Kühlschrank aufläuft. Bei diesem Tor bleibt es allerdings. Bis Saisonende bringt es Voronin auf gerade mal neun Einsätze insgesamt, acht davon als Einwechselspieler. Nur am letzten Spieltag, jenem Party-Schiffsausflug nach Mannheim (Endstand unbekannt) darf Voronin 90 Minuten durchspielen. Erinnerungen daran existieren auf Fanseite wohl eher keine. Ein Tor hat er damals jedenfalls nicht gemacht. Anders als in der folgenden Saison. Aus dem kleinen dicken Ukrainer ist quasi über Nacht ein richtig guter Stürmer geworden. Dafür spricht nicht nur die Verachtfachung seiner Torausbeute. Voronin macht 34 Spiele, rackert und rennt, wird immer schneller und genießt alsbald Kultstatus unter den Fans. Doch am Ende wird aus dem Traum eines ganzen Vereins, einer ganzen Stadt nichts. Klassenerhalt trotz 64 Punkten – geschlagen am letzten Spieltag von medial hochgepuschten Unionern und einem seltsam aggressiven Heimpublikum. Doch eine Stärke des Vereins ist – wie auch eine Stärke Voronins – nach dem Hinfallen wieder aufzustehen – und wie. Schon am ersten Spieltag der neuen Saison kommt es zum neuerlichen Aufeinandertreffen mit den Unionern. Der FSV gewinnt in Berlin mit 2:0, Andrey macht beide Tore – und stellt sich nachher vor die Kamera, um ganz im Stile von „Das ist Sparta!“ zu verkünden. „Wir sind Mainzer!“ Doch (die 05-Fans werden sich mit einem kleinen Stich im Herzen erinnern) Geschichte wiederholt sich. Trotz 20 Toren von Andrey Voronin, manche geniale Einzelleistungen, manche traumhaft herausgespielt, manche nur mit Willen und Leidenschaft erzielt, bleibt am Ende für den FSV nur der vierte Platz. Voronin macht lange Zeit ein Geheimnis um die Verlängerung seines auslaufenden Vertrages, um sich am Ende dem Aufsteiger 1. FC Köln anzuschließen. Trotz des nebulösen Versteckspiels um einen neuen Vertrag (angeblich hatte Voronin bereits im Februar in Köln zugesagt) nimmt kein Fan dem Ukrainer den Abgang krum. Es herrscht die Meinung vor, dass er sich diesen persönlichen Aufstieg verdient hat. Unglücklich in Köln / glücklich in Leverkusen Am Rhein wird Andrey zunächst allerdings nicht recht glücklich. Der FC spielt eine mieserable Saison und steigt am Ende mit gerade mal 23 Punkten als Tabellenletzter ab. Die FC-Fans sind sauer, suchen und finden Sündenböcke wie den Neuzugang aus Mainz. Der aber hat – auch verletzungsbedingt – nur 19 Spiele (4 Tore) gemacht und taugt nicht zu dieser Rolle. Doch da er am Ende alles andere als wohlgelitten in Köln-Müngersdorf ist, hat Andrey auch kein Problem damit, zum rheinischen Erz-Rivalen nach Leverkusen zu wechseln. Hier wird „Vroni“ fast schon heimisch – und kann auch an seine erfolgreiche Zeit in Mainz anknüpfen. Nach drei Jahren Leverkusen stehen in 92 Spielen 32 Tore und 17 Vorlagen zu Buche – eine Wahnsinnsquote, wenn man bedenkt, dass Voronin auf dem Feld viel Energie dabei lässt, erste Pressingmaschine zu sein, den Ballführenden zu jagen und zu bedrängen, wenn sein Team in der Defensive ist. Die Leverkusener Fans sehen Voronin dennoch eher mit gemischten Gefühlen. Viele loben seinen Einsatz, verunglimpfen ihn dennoch als ziemlichen Chancentod – eine kaum nachvollziehbare Bezeichnung, wenn man sich seine Quote in Erinnerung ruft. In seinen Leverkusener Jahren muss Voronin auch mehrfach gegen den FSV antreten. Dabei bleibt er jedoch herrlich erfolglos vor dem Tor (wir unterstellen ihm mal: ganz bewußt :-). Wer erinnert sich nicht an jenes Spiel, als „Vroni“ es aus aberwitziger Position gelang, den Ball so drüber zu schießen, dass man ihm als Unwissender nicht mal Absicht unterstellen konnte. Wer erinnert sich nicht gerne daran, wie er immer genau so knapp im Abseits stand, dass man ihm keinen Vorwurf machen konnte, dass es der Linienrichter aber auf jeden Fall sehen konnte. Einmal misslang Vronis unterschwelliger Versuch, die 05er schadlos davon kommen zu lassen. Bei der 1:2-Niederlage der Leverkusener zu Hause gegen den FSV bereitete „Vroni“ das 1:2-Anschlusstor vor. Aber am Ende hatte das auf den Ausgang des Spiels keinen Einfluss mehr. Besonders schön (und besonders gut in Erinnerung) ist jenes Spiel der Bayer-Elf im DFB-Pokal bei den Mainzer Amateuren, als Voronin auf der Ersatzbank sitzend vor dem Spiel die Lieder der Bummtschacks lippensynchron mitsingt. Da geht einem wahrlich das Herz auf. Beinahe-Rückkehr Fast wäre es Christian Heidel im Sommer 2006 sogar gelungen, Voronin wieder an den Bruchweg zu locken. Die Transfervereinbarungen mit Leverkusen waren bereits abgeschlossen, der Transfer zu 99 Prozent über die Bühne – als „Vronis“ weiblicher Anhang den Traum aller Mainzer Fans platzen ließ. Allerdings kann man diese Geschichte durchaus aus zwei Perspektiven sehen. Auf der einen Seiten war es natürlich sehr bitter für die 05-Fans. Denn sie hätten einen ihrer Lieblingsspieler zurückerhalten, Voronin hätte die sportlich geschlagene Lücke durch die Abgänge von Thurk und Auer schließen können – und mit ihm wäre man möglicherweise nicht abgestiegen. Auf der anderen Seite muss man allerdings konstatieren: Die Möglichkeit, dass sich Voronin mit seiner Rückkehr an den Bruchweg seinen Status zerstört hätte, dass er an den vollkommen überhöhten Erwartungen des Umfeldes gescheitert wäre, diese Möglichkeit war durchaus auch gegeben. Wie dem auch sei: es sei ihm verziehen. Nachdem der Wechsel nach Mainz also geplatzt war, blieb Voronin ein weiteres Jahr in Leverkusen, ehe er nach Liverpool wechselte. Wechsel ins Paradies Nach seinem ablösefreien Wechsel auf die Insel denken viele, das sei eine Nummer zu groß für den Ukrainer. Und sie sollen recht behalten. Zwischen solchen Topleuten wie Torres und Dirk Kuyt fällt es Voronin tatsächlich ziemlich schwer, sich nachhaltig auf dem Feld in Szene zu setzen. So stehen am Ende in der Statistik zwischen 2007 und 2010 gerade mal 27 Spiele und 5 Tore. Zwischendurch jedoch vertreibt er sich für ein Jahr die Langeweile in Berlin. Er hat immensen Anteil an der Fast-Meisterschaft der Hertha, erzielt in 27 Spielen 11 Tore (dabei unter anderem beide Treffer beim 2:1-Sieg gegen den FC Bayern) – doch am Ende setzt Hertha-Trainer Ludien Favre aus unerfindlichen Gründen nicht mehr auf ihn. Das Ergebnis: Platz 4 für Berlin, für Hertha nicht genug Geld, um Voronin zu kaufen – und für Andrey selbst die Rückkehr nach Liverpool. Schwimmen im Geld Doch nach sieben Einwechslungen und lediglich einem Einsatz über 90 Minuten (dazu zwei Einwechslungen in der Championsleague sowie ebenfalls einem Einsatz über 90 Minuten) ist endgültig Schluss an der Anfieldroad. Für zwei Millionen Euro wechselt Andrey im Januar 2010 zu Dinamo Moskau. Da verdient der gute Andrey nun sicher genug Geld, um sich weiterhin quietschbunte Hemden und luxuriöse Sonnenbrillen zu kaufen, und auch seine zwei Frauen und seine drei Kinder versorgen zu können. Bedauerlich, dass die russische Liga im deutschen Fernsehen nicht stattfindet – so muss man als 05er nun hoffen, dass zahlreiche Spiele von Dinamo Moskau aus der Championsleague übertragen werden. Eines bleibt aber auch ohne Fernsehbilder bestehen: Die Erinnerung an einen grandiosen Fußballer, der wie nur wenige anderen auf dem Feld gelebtes Mainz 05 darstellte. |
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