| Vor dem letzten Anpfiff schon ein Ausblick? |
| Geschrieben von Michael | |
| 07.05.2010 | |
![]() Das Bild des Jahres: Mainz is chef, alta! (Quelle: Zaunsturm1905.de) Das war sie – also fast. Die vierte Bundesliga-Saison des 1. FSV Mainz 05. Sie begann mit einem Paukenschlag – der Entlassung des Aufstiegstrainers Jörn Andersen – und sie endet mit der langfristigen Bindung seines Nachfolgers Thomas Tuchel (bis mindestens 2013). Wer hätte das gedacht? Wer hätte erwartet, dass die 05er nach biederen und bitteren Heimspielen in der letzten Zweiligasaison in der Bundesliga so aufdrehen würden? Wer hätte gedacht, dass aus A-Junior Andre Schürrle praktisch über Nacht ein Bundesliga-Stammspieler werden würde? Wer hätte erwartet, dass der „No-name“ Heinz Müller so dermaßen einschlagen würde? Dass Bo Svensson noch mal „richtiger“ Stammspieler bei den 05ern werden würde – inklusive Vertragsverlängerung? Wer hätte gedacht, dass man langfristige Ausfälle wie den von Tim Hoogland oder Zsolt Löw mal so eben mit einem (Ex-)Nationalspielern Malik Fathi und dem „Kai aus der Kiste“ Radoslav Zabavnik praktisch eins zu eins hätte ersetzen können? Wer hätte Miroslav Karhan im schon gesetzteren Fußballeralter von 33 Jahren eine derart dominante Führungsrolle im zentralen Mittelfeld der Mainzer zugetraut? Wer hätte gedacht, dass der fiese Fuß von Eugen Polanski noch mal zusammenwachsen würde? Wer hätte erwartet, dass Filip Trojan nach großen Anlaufschwierigkeiten doch noch seinen Platz im Kader finden würde, dass Jan Simak sich gegen Saisonende zum spielentscheidenden Mann aufschwingen würde? Die Reihe von Fragen ließe sich noch weiter fortsetzen – und hinter jeder Frage verbirgt sich eine längere Geschichte. Geschichte, das ist auch rein tabellarisch gesehen das, was die 05er geschrieben haben. Die beste Bundesliga-Saison aller Zeiten, die meisten Punkte, der beste Tabellenplatz. Wer ist eigentlich Jürgen Klopp? Spaß beiseite. Wenn man sich bei manch anderem Verein so umschaut, wie viele Trainer dort in einer Saison verschlissen wurden (wer erinnert sich noch daran, wer zu Saisonbeginn Trainer in Hannover war? Nein, nicht Peter Neururer! Es war Dieter Hecking - ihm folgten Andreas Bergmann, kurzzeitig Jörg Schmadtke und schließlich Mirko Slomka), dann kann man Christian Heidel eigentlich nur wieder und wieder auf die Schulter klopfen. Thomas Tuchel zum Cheftrainer zu machen, diese Entscheidung dürfte nach der Inthronisierung von Jürgen Klopp mithin die beste Entscheidung gewesen sein, die der langjährige 05-Manager getätigt hat. Nicht vergessen soll an dieser Stelle allerdings Volker Kersting bleiben. Denn der Jugendkoordinator war es, der Thomas Tuchel überhaupt erst zu Mainz 05 brachte, der ihn zum A-Jugendtrainer machte. Die meisten Fans sehen das Saisonende mit gemischten Gefühlen. Da wäre zum einen der endgültige Abschied von den verdienten und langjährigen Stammspielern („Legenden“, wie Harald Strutz sie nannte) Dimo Wache und Marco Rose und von den Publikumslieblingen Chadli Amri und Tim Hoogland. Malik Fathi kehrt nach Moskau zurück. Immerhin: weitere Abgänge in Form von Heinz Müller, Aristide Bancé und Andre Schürrle schließt Christian Heidel aus). Zum anderen wird es das letzte Saisonabschlussspiel am Bruchweg sein – denn schon im Mai 2011 soll im neuen Stadion am Europakreisel der Ball rollen. Ungewohnt ist auch das Gefühl, am letzten Spieltag quasi einer Fun-Veranstaltung beizuwohnen. Für den FSV geht es nur noch um einen einstelligen Tabellenplatz, für den Gegner Schalke 04 nicht mal mehr um die goldene Ananas. Tatsächlich geht es für die 05er schon gefühlt seit Anfang März um nichts mehr – doch wie sich das Team trotzdem Woche für Woche präsentiert hat, wie die Mannschaft gekämpft und gespielt hat, das nötigt jedem Respekt ab. Gerade die üblichen Verdächtigen in Sachen „Saison abschenken, wenn das Ziel erreicht ist“ (vor allem der FC Köln, aber auch die Gladbacher dürfen sich hier angesprochen fühlen) sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Für Erheiterung sorgte übrigens die Nachfrage von MRZ-Schreiber Schneider, jetzt, bei der letzten „Vor-dem-Spiel-PK“ könne Thomas Tuchel doch mal die Aufstellung verraten. Tat er natürlich nicht. Viele Ideen, aber über die Umsetzung ist man noch uneins – so könnte man Spieltag für die Spieltag Trainer-Sphinx Tuchel zitieren, ohne die PK gesehen zu haben – und würde kaum daneben liegen. Aber warum sollte der Taktik-Fuchs auch sich einer seiner wichtigsten Waffen berauben? Wer spielt wo, mit welchem System, welchem Matchplan? Beim FSV hat man sich in den vergangenen neun Monaten erheblich vom Vertrauen auf die individuelle Stärke einzelner gelöst – hin zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Einstudierte Spielzüge, klares Verschieben, das Spiel eng machen, Ballgewinne erzwingen und anschließend schnell Umschalten – im Laufe nur einer Saison hat die Mannschaft sich in fast unglaublicher Weise weiterentwickelt. Das macht Lust auf mehr – doch dabei ist Vorsicht geboten. In den vergangenen 33 Spieltagen gelang es dem FSV, gegen Mannschaften zu punkten, die die 05er unterschätzten. Manche traf man im richtigen Moment (die Bayern zum Beispiel), in manchen Spielen hatte man auch das Quäntchen Glück, was man als Aufsteiger in engen Spielen hin und wieder benötigt. Dass es in der neuen Saison genauso läuft, davon darf man zunächst mal nicht ausgehen. Selbst wenn Thomas Tuchel und Christian Heidel unisono verkünden, man wolle in der neuen Saison eine stärkere Mannschaft haben als in der aktuellen. Für Mainz 05 kann es auch nächstes Jahr als erstes einzig und allein um den Klassenerhalt gehen. Es wird dann auch die Aufgabe und Pflicht der Fans sein, ohne überhöhte Erwartungshaltung in die Saison 2010/2011 zu gehen. In diesem Sinne: Schalke putzen, 8. werden und sich fragen, wer denn nun eigentlich die Nummer eins im Rhein-Main-Gebiet ist… |